
Wenn Gründer den wichtigsten Schritt überspringen
Es gibt eine Frage, die mir in Gesprächen mit Gründern immer wieder begegnet – in Gesprächen vor oder außerhalb eines Coachings, wenn jemand seinen Businessplan bereits fertig hat. Meistens kommt sie am Ende, fast beiläufig:
„Wie finden Sie eigentlich mein Konzept?"
Was mich daran jedes Mal beschäftigt: Der Businessplan ist fertig. Die Zahlen stehen. Die Idee ist durchdacht – zumindest von innen. Und trotzdem sucht jemand in einem Nebensatz nach einer ehrlichen Einschätzung von außen.
Nicht weil er unsicher ist. Sondern weil er noch keinen echten Spiegel hatte.
Der Businessplan ist kein Spiegel
Einen Businessplan zu schreiben ist wichtig – er zwingt dazu, Gedanken zu strukturieren, Zahlen zu belegen, Entscheidungen zu begründen. Aber er ist ein Selbstgespräch. Man denkt in den eigenen Kategorien, beantwortet die Fragen die man sich selbst stellt – und übersieht dabei oft genau die Fragen, die man sich nicht stellt.
Wer seinen Plan allein erarbeitet, bekommt am Ende ein Dokument. Aber kein Feedback.
Bubble-Feedback reicht nicht
Die meisten Gründer haben ihre Idee natürlich besprochen – mit Familie, Freunden, vielleicht einem Kollegen. Und die Reaktionen waren gut. Ermutigend, wohlwollend, unterstützend.
Das ist wertvoll. Aber es ist kein ehrlicher Spiegel.
Menschen die uns nahestehen, beurteilen unsere Ideen durch die Brille ihrer Zuneigung. Sie wollen nicht entmutigen. Sie sehen das Potenzial weil sie an uns glauben – nicht weil sie den Markt kennen, die Zielgruppe verstehen oder die Zahlen wirklich einschätzen können.
Das Ergebnis: Man hört viel Zustimmung – und fühlt sich trotzdem nicht wirklich sicher. Weil man spürt, dass es kein echter Test war.
Was ein echter Außenblick leistet
Ein ehrliches Gespräch mit jemandem, der keine persönliche Agenda hat und die richtigen Fragen stellt, leistet etwas anderes als Bestätigung.
Es stellt unbequeme Fragen. Für wen genau? Was passiert wenn der erste Plan nicht aufgeht? Was unterscheidet dich wirklich? Es deckt blinde Flecken auf – nicht um zu entmutigen, sondern um das Konzept tragfähiger zu machen. Und es gibt dem Gründer die Möglichkeit, seine Idee laut auszusprechen – und zu hören wie sie klingt, wenn jemand wirklich zuhört.
Oft ist genau dieser Moment der Wendepunkt. Nicht weil alles verändert wird – sondern weil zum ersten Mal klar wird, was wirklich trägt und was noch nicht.
Die Frage hinter der Frage
„Wie finden Sie eigentlich mein Konzept?" ist keine Frage nach Lob. Es ist die Frage nach einem echten Gegenüber.
Und das ist etwas, das kein Businessplan ersetzen kann – und kein wohlmeinender Freund.
Ich begleite Gründer:innen von Anfang an mit dem Blick von außen – damit aus einer guten Idee ein tragfähiges Konzept wird.
Mehr zu Gründungscoaching und strategischer Beratung findest du auf oqto.org.
